Jesus sagte: „Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und stirbt, bleibt es allein; wenn es aber stirbt, bringt es viel Frucht..“
Johannes 12,24

Zitierte Bibelworte aus der Lutherbibel 2017, andere Bibelworte können unter https://www.bibleserver.com/ nachgelesen werden. (Jesaja 66 / Johannes 12 / 2.Korinther 1)

 

Durch die aktuellen Umstände haben wir mehr Zeit bekommen. Zeit für die Familie, Zeit um auszuruhen und vielleicht auch Zeit um über das Leben nachzudenken. Vielleicht lesen Sie deshalb diese Zeilen.

Das Bibelwort links, aus dem Evangelium vom Johannes sagt Jesus über sich selber. Naturgemäss halten wir uns am Leben, tun alles damit wir weiterleben. Das ist gut so. Jesus dreht mit diesem Bibelwort alles um und zeigt damit eine Gesetzmässigkeit von Gottes Reich. Jesus wurde dann ohne Widerstand, ohne sich ans Leben zu klammern, ans Kreuz genagelt. Auf den ersten Blick das Ende. Doch dann entstand daraus die Gemeinschaft der Menschen, die dem Leben in Jesus vertrauten. Christen auf der ganzen Welt. Es entstand viel „Frucht“.

Die Basis von solchem Handeln ist selbstlose Liebe für die Menschen, im Wissen, dass das Leben nicht mit dem Tod aufhört.


Der Prophet Jesaja hat etwas davon vorausgesehen (Jesaja Kapitel 66). Ab Vers 7 spricht er von einem Wunder, das geschehen wird. Ein Kind wird geboren und dadurch wird ein ganzes Volk geboren. Und Gott lässt es zu. Gott freut sich daran und ruft auf, sich mit zu freuen an dieser Herrlichkeit – an Gottes Herrlichkeit.

Die Israeliten, die damals weit weg von Jerusalem waren, sollten dadurch getröstet werden. Wie eine Mutter das Kleinkind an der Brust tröstet, so sollen sie getröstet werden. Dieser Trost ist dann nicht nur der Nuggi wodurch das Kind beruhigt wird und einschläft, sondern es ist Nahrung im Überfluss und Frieden und Geborgenheit.

Und diese Herrlichkeit soll bis ans Ende der Erde getragen werden, zu allen Völkern und Nationen. Und diese Menschen werden dann zu Brüdern und Schwestern. Und sie werden dann zu Gott zurückgebracht. So sagt Jesaja voraus, dass aus Israeliten und Menschen aus allen Völkern eine neues Volk entstehen wird.




Rund 500 Jahre später wird Gottes Herrlichkeit verwirklicht:

Jesus reitet auf einem Eselfüllen in Jerusalem hinein. (Joh. 12)

Die Menschen jubeln Jesus zu – Jesus musste der Messias sein.

Da waren auch Ausländer, Griechen, die wollten diesen besonderen Mann sehen und adressierten sich, entsprechend Kultur und Anstand, an seine Jünger. Zusammen gehen sie zu Jesus.

Sie wollen Jesus kennenlernen und Jesus antwortet mit dem Bild vom Samen, der sterben muss, damit viel Frucht entsteht. Im ersten Moment könnte man meinen, dass Jesus damit nur sich selber meinte: Er ist gestorben, damit neues Leben möglich wird. Doch Jesus meinte damit ebenso die interessierten Europäer und seine Jünger. „ Wer sein Leben lieb hat, der verliert es; und wer sein Leben auf dieser Welt hasst, der wird's bewahren zum ewigen Leben.“ (V.25)

Gottes Herrlichkeit wird dort sichtbar, wo Menschen ihr eigenes Leben investieren, damit Menschen versöhnt werden, damit Menschen Gott vertrauen. Und darauf steht die Verheissung vom ewigen Leben.


Jesus spricht hier nicht von Exit oder Selbstmord. An seine Jünger gerichtet weist er darauf hin, dass es Situationen gibt, wo wir wegen der Liebe zu Jesus und wegen der Liebe zu unsern Schwestern und Brüdern Entscheidungen treffen müssen, die gegen unser eigenes irdisches Leben sind. Das Leben auf der Erde ist nicht alles was Christen haben. Wir vertrauen darauf, dass das Leben nach dem Tod bei Jesus in Ewigkeit weitergeht. Wir wechseln nur den Ort.


Die Prophetie von Jesaja 66 wurde durch Jesus Christus Wirklichkeit. Menschen aus der ganzen Welt sind in Jesus Schwestern und Brüder geworden. So ist heute Gottes Herrlichkeit sichtbar.

Jesus hat sich nicht am Leben festgeklammert und hat entgegen der Natur und doch wie die Natur, wie ein Weizenkorn das in die Erde fällt und dort stirbt und dadurch von dort aus zu neuem, vielfachem Leben wächst, sein irdisches Leben losgelassen.

Er ist auferstanden und in den Himmel aufgenommen worden. Er wird von dort wiederkommen.

So wie für Jesus der Tod nicht das Ende war, so wird auch für uns der Tod nicht das Ende sein.


Doch im Moment leben wir noch auf der Erde.

Wir sind aufgefordert, unseren Mitmenschen nicht die Hand zu geben, sondern zwei Meter Distanz zu halten oder am Besten gleich zu Hause zu bleiben, damit wir niemanden anstecken oder angesteckt werden von einem Virus, den ich weder sehen noch spüren kann. Alles etwas surreal.

Geht es mir nicht manchmal auch mit Bibelworten so? Es tönt so surreal. Ich sehe nichts, manchmal spüre ich etwas, oder bilde ich mir das nur ein? Jesus zu vertrauen für das Leben mit ihm in Ewigkeit. Jetzt zu lieben und zu vergeben, weil Jesus liebt und vergibt. Mein Leben loszulassen in seine Hand, im Wissen, dass er es hält, auch über den Tod hinaus.



Das Bild, das der Prophet beschreibt spricht auch von umfassendem Trost. Gott will die, die ihm vertrauen trösten wie eine Mutter das Baby an der Brust tröstet.

Jesus hat uns nicht alleine gelassen. Sein Geist ist uns als Tröster gegeben. Als Zugang zur versprochenen Ewigkeit – mit ihm beginnt das Leben bereits jetzt.

Die Mächtigen der Erde haben nicht das letzte Wort. Bereits ein kleiner Virus bringt die ganze Welt durcheinander. Die Angst, dass viele sterben könnten bestimmt unser Leben. Trotzdem bin ich geborgen und habe Frieden.

In Ländern, wo es unmöglich schien, beginnen Menschen nach Gott zu fragen und vertrauen Jesus Christus. Ich freue mich darauf, mit ihnen die Ewigkeit zu verbringen.


Trotzdem gibt es auch im Leben von Christen Trauer, Leid und Not.

Die Gemeinde von Jesus Christus kam damals im ganzen römischen Reich unter Druck. Obwohl es immer mehr Christen gab, war es nicht einfach als Christ zu leben. Die Anfeindungen waren handgreiflich und öffentlich toleriert. Im zweiten Brief an die Korinther im 1.Kapitel ermutigt Paulus mit seinem eigenen Erleben die Korinther. In Verfolgung von Gott getröstet, damit er auch andere trösten konnte. Den Tod vor Augen haben Paulus und seine Begleiter ihre Hoffnung ganz auf Gott gesetzt, der auch die Toten auferwecken kann und wurden errettet.


Was tröstet mich, was hat mich in der Vergangenheit getröstet?

- Das Zeugnis von andern Christen, die ähnliches erlebt haben und indem Sie ihr Vertrauen trotz allem auf Gott setzten, den Boden unter den Füssen wieder gefunden haben. Da waren Geschichten, Lieder und Menschen Auge in Auge.

- Gottes Reaktion auf meine Fragen, nicht immer eine Antwort. Aber das Realisieren von Gottes Gegenwart in kleinen Zeichen oder das direkte „ansprechen“ von seinem Wort oder einer Predigt.

- Menschen die mit mir ausgehalten haben. Menschen die für mich gebetet haben.


Abschliessend ein kleines Wort zu unserer Situation und den darin liegenden Chancen. Viele (nicht alle) werden in den nächsten Wochen mehr Zeit haben, da sie das gewohnte nicht machen können.

Jesus ermutigt uns aufmerksam zu sein, wachsam zu sein. Damit uns die Zeit nicht zur Falle wird. Und wir sollen beten. Gott einladen in unsere Situation, in unsere Familie, in unsere Nachbarschaft, in unsere Dörfer. Vielleicht beten Sie auch für die, die dauern neue Entscheidungen treffen müssen oder für die Mütter die zu Hause mit den Kindern an der Grenze laufen, oder für die, die in den Spitälern arbeiten. Wahrscheinlich werden auch Ihnen noch viele Menschen und Situationen in den Sinn kommen.

 

Ich wünsche Ihnen Geduld, Hoffnung und Gottes reichen Segen für die nächsten Tage.

Stefan Egli, Laienprediger, Schönholzerswilen